In Deutschland setzt eine stetig wachsende Anzahl von Unternehmen und Haushalten auf die Kraft der Sonne, um ihren eigenen Strom zu erzeugen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) sprechen Bände: Über 2,6 Millionen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von beeindruckenden 70.600 Megawatt waren bis zum März 2023 auf Dächern und Freiflächen installiert. Dies markiert einen bemerkenswerten Anstieg im Vergleich zu den rund 2,2 Millionen Anlagen mit einer Gesamtleistung von etwa 58.500 Megawatt ein Jahr zuvor. Die überwiegende Zahl der neuen Photovoltaikanlagen befindet sich auf privaten Wohngebäuden, doch das Potential ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft . 

 

 

Rekordjahr 2023 und die Ziele der Bundesregierung 

 

Das Jahr 2023 ist bereits das sechste Jahr in Folge, in dem der Vorjahreszubau gesteigert werden konnte. Diese Zahlen sind zwar beeindruckend, jedoch müssen sie als Teil einer ambitionierten Vision der deutschen Bundesregierung noch deutlich gesteigert werden. Bis zum Ende der Dekade sollen Photovoltaikanlagen ein Drittel des deutschen Stroms generieren – eine Mission, die eine Vervierfachung der aktuellen Kapazität erfordert. 

  

Eine wichtige Schlüsselrolle bei der Umsetzung dieser Vision spielen vor allem die kleinen Photovoltaikanlagen auf den Dächern. Neben dem positiven Effekt auf unsere Umwelt und der eigenen Autarkie, welche die Hauptgründe für die Anschaffung einer Photovoltaikanlage sind, ist auch eine Demokratisierung der Stromerzeugung ein positiver Effekt dieses Trends. Statt einiger weniger Großkonzerne geht die Energieerzeugung über auf viele Millionen kleine Eigentümer, die sich dadurch eine weitgehende Unabhängigkeit vom allgemeinen Strommarkt verschaffen. Große Freiflächenanlagen stoßen zwar teilweise auf eine geringe Akzeptanz bei Anwohnern und Naturschützern, jedoch werden auch diese Anlagen benötigt, um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen. Des Weiteren ist die Nutzung von Freiflächen für die Photovoltaik häufig verbunden mit einer Stärkung der Biodiversität, da keine Umweltgifte wie Pestizide oder Düngemittel auf den Flächen ausgebracht werden (siehe Blogartikel „Artenvielfalt in Solarparks“) 

 

Nichtsdestotrotz würde auch allein die Nutzung der zur Verfügung stehenden Dachflächen in Deutschland ausreichend Potential bieten, um die ehrgeizigen Ziele der Regierung zu realisieren. 

 

Neue Studie zum Solarstrom-Potential in Deutschland  

Die Studie „Solarstrom vom Dach“ der greenventory GmbH im Auftrag von Agora Energiewende, einem Thinktank der Bundesregierung, hat das Energiewende-Potential in Deutschland analysiert. Das Ergebnis ist eine detailreiche Auswertung, die die Möglichkeiten des Photovoltaikausbaus auf Postleitzahlen-Ebene präzise nach Kriterien wie der Größe der Dachflächen sowie Art und Nutzung der Gebäude beinhaltet.  

  

Gemäß der Studie verfügt Deutschland über eine Gesamtdachfläche von 6.770 Quadratkilometern. Hiervon verbleiben nach Ausschluss von Störflächen und statisch ungeeigneten Dächern 61 Prozent bzw. ca. 4.130 km² als nutzbare Fläche für eine Photovoltaikanlage. Unter Berücksichtigung der benötigten Fläche für ein Kilowatt Photovoltaik-Leistung sowie Abstandsflächen Installationsarbeiten und Sicherheitsbereiche ergibt sich ein Ausbaupotential von ca. 400 Gigawatt. Die Zielsetzung der Bundesregierung bis 2030 ist klar definiert – 215 Gigawatt sollen bis 2030, 400 Gigawatt bis 2040 erreicht werden. Mindestens die Hälfte der Leistung soll mit Photovoltaikanlagen auf den Dächern platziert werden, somit soll bis zum Jahr 2030 eine Gesamtleistung von mindestens 107 GWp auf Dachflächen installiert sein. Eine Zielvorgabe, die lediglich ein Viertel des ermittelten Potentials benötigt und insofern problemlos erreichbar wäre. 

  

Herausforderung Fachkräftemangel und Tempo der Energiewende 

  

Trotz der beachtlichen Fortschritte der Photovoltaik in den vergangenen 20 Jahren bleibt eine Herausforderung bestehen: Es gibt zu wenige Betriebe und Menschen, die an der Umsetzung der Energiewende mitarbeiten. Zum aktuellen Zeitpunkt nutzt kein Bundesland mehr als 16 Prozent seines technischen Potenzials auf Dachflächen. Das bedeutet, dass zwischen 84 und 98 Prozent des Potenzials für weiteren Ausbau je nach Bundesland noch ungenutzt sind. Die Reise zu einer nachhaltigen Energiezukunft hat längst begonnen, und die Dächer Deutschlands spielen dabei eine entscheidende Rolle. Jetzt liegt es an allen Beteiligten, Menschen für die Umsetzung der Energiewende zu begeistern und zurückzugewinnen.

Der Trend der letzten sechs Jahre geht in die richtige Richtung, aber es braucht noch viel mehr Engagement und Tempo, um die Ziele zu erreichen und Deutschland als Technologiestandort und Vorreiter bei der Umstellung von fossilen Energieträgern auf Sonne, Wind und Wasserkraft zu etablieren.

Die Integration der neuen Energiewelt in das vorhandene System ist ein wegweisender Schritt auf dem Pfad zu einer grünen Zukunft, bei dem die Sonne nicht nur im Himmel strahlt, sondern auch auf den Dächern Deutschlands. Schafft es Deutschland als erste Industrienation den Wandel zu vollziehen, kann die Technologie der Energiewende der nächste große Exportschlager für die Zukunft werden, denn andere Länder werden dem Weg folgen und auf das Wissen und die Erfahrung deutscher Ingenieure und Handwerker zurückgreifen. 

Gerne begleitet die AMPERIOS GmbH Sie auf dem Weg zur Energiewende!